Verborgene Heilige

Heiligendarstellungen in und an Kirchen sind keine Besonderheit – das haben sie mit den  Heiligen gemeinsam. Aber wie im wirklichen Leben gibt es auch bei den Darstellungen manche „verborgene Heilige“ an Häusern und Wänden, wo man sie nicht vermutet oder sie zumindest kaum mehr wahrnimmt.

Dieser hier wird allerdings häufig wahrgenommen und fotografiert – er befindet sich ja auch am bekannten Wernerschen Haus am Godehardsplatz: Karl der Große, der geschichtlich mit der Bistumsgründung verbunden ist. Aber wer weiß schon, dass er auch als „Heiliger“ verehrt wird?

karlderGroße

Seiner wird besonders in Aachen gedacht – am 27. Juli (Übertragung der Gebeine). Neben ihm befinden sich am Wernerschen Haus noch anderer Heilige, die ebenfalls mit dem Bistum Hildesheim in Verbindung stehen.

Nicht weit davon entfernt steht ein Heiliger, den und dessen Tag jede(r) kennt: der heilige Nikolaus (6. Dezember). Er erinnert an ein mittelalterliches Hospital, das an eben dieser Stelle beim Godehardsplatz stand – gleich um die Ecke eines anderen alten Hospitals „Zu den Fünf Wunden“. Heute beherbergt das Gebäude eine Krankenpflegeschule.

Nikolaus

 

Im wahrsten Sinne eines Aufblicks bedarf es, um die heilige Katharina  zu entdecken, die ganz oben im Giebel eines Hauses in der  – natürlich – Katharinenstraße zu sehen ist. Welche Katharina aber ist es? Die ihr beigefügten Attribute Rad und Schwert verraten es: die heilige Katharina von Alexandrien, die unter Kaiser Maximinus ihr Leben ließ – auf schauerliche Art und Weise. Sie sollte der Legende nach gerädert werden, doch das Rad zerbrach. Daraufhin wurde sie enthauptet.

Die Katharinenstraße wiederum hat ihren Namen vom ehemaligen Katharinenhospital, das mit Kirche und Friedhof vor dem Ostertor lag.

Katharina

Ganz ähnlich ist es mit dem heilige Georg, den man als Reitermann an einer Hauswand der Straße „Bei St. Georgen“ findet. Der Parallelstraße zur Osterstraße wurde erst 1934 dieser Name wieder  zurückgegeben. Er geht zurück auf die alte Pfarrkirche St. Georg ebendort (gegenüber der Einmündung in die Marktstraße); sie wurde Anfang des 19. Jahrhunderts abgebrochen.

Der heilige Georg in seinem Kampf gegen den Drachen findet sich auch als Skulptur über einem Lokal an der Ecke Osterstraße / Wallstraße – also ebenfalls im alten Pfarrgebiet. Manchmal trägt er als „Umhang“ eine Deutschlandfahne, obwohl er Patron Englands und Georgiens ist …

Der heilige Christophorus wurde im Mittelalter sehr häufig dargestellt, oft überlebensgroß an Kirchenwänden. Sein Anblick – auch von weitem – sollte vor dem jähen Tod schützen. Christophorus, dessen Gedenktag die Kirche am 24. Juli begeht, ist einer der „Vierzehn Nothelfer“. Als „Christusträger“, was sein Name übersetzt bedeutet, wurde er auch zum Patron der Reisenden, darüber hinaus aber im späten Mittelalter angerufen in verschiedenen Anliegen. Auch zahlreiche Apotheken wurden und sind nach ihm benannt, wohl wegen seines Patronates bei Krankheiten und Seuchen. So passt seine Darstellung auch in die gleichnamige Apotheke auf dem Moritzberg. An der Wand eines Privathauses in der Leibnizstraße war es vielleicht die Devotion des Hauserbauers oder eines Bewohners gleichen Namens.

Christophorus

 

Noch eine Heilige, die man nicht da vermutet, wo man sie finden kann: die heilige Veronika – die „mit dem Schweißtuch“. Sie ist in den biblischen Berichten über die Passion Jesu nicht erwähnt. Die Veronika-Legende geht bis ins 4. Jahrhundert zurück;  danach reichte eine der klagenden Frauen auf dem Weg Jesu zur Hinrichtung ihm ein Schweißtuch, dass er sein Gesicht trockne; darauf blieb dann der Abdruck seines Gesichtes zurück. – Jesus Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, heißt es im Kolosserbrief des Neuen Testaments und auf dem Relief, das an der Mauer der St. Josephskirche auf der Marienburger Höhe zu sehen ist.

Veronika

Natürlich dürfen in Hildesheim auch die heiligen Bernward und Godehard, die großen mittelalterlichen Bischöfe, nicht fehlen. Im Umfeld von Kirchen findet man sie natürlich häufiger, aber interessant ist auch ihre Darstellung an einem Haus in der Scheelenstraße. Auf vier Reliefplatten von 1954 wird auf die Bistumsgeschichte Bezug genommen. Sie stammen von der Künstlerin Gertrud Küsthardt-Langenhan, die in diesem Haus gewohnt hat.

bernward

 

Und dann zum Schluss auch noch eine Madonna, die man im Norden, vergleichsweise mit Städten in Süddeutschland, eher selten an Häusern findet. Hier eine Darstellung Marias mit Ähren (ein altes Symbol der Eucharistie) und dem Jesuskind in der Boysenstraße.

MadonnamitKInd

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